Rennsteiglauf 2003

Schon immer hatte ich die Lust etwas anderes zu laufen als die 10 km, den Halbmarathon oder einen Marathon.
Es war mein Freund Achim Stober (Jg.47), wohl einer der wenigen Wessis, die schon zu DDR Zeiten am Rennsteiglauf teilnahmen, der mir diesen Lauf schmackhaft machte. Und dazu gesagt, er war ein guter Läufer, wenn nicht sogar ein sehr sehr guter Läufer. Von 800 m ( 1:51, X ) bis hin zum Rennsteiglauf war er überall vorne dabei.
Im Mai 2003 fuhr ich mit ihm morgens von Herford nach Eisenach. Wir stiegen aus dem Auto aus, frühstückten und trafen uns dann mit unserem Freund Dr. Christian Otto. Alsbald gingen wir zum Marktplatz in Eisenach; hier war der Start um 06.00 Uhr morgens. Es fiel mir gleich auf, dass nur austrainierte Läufer am Start waren, nicht wie bei vielen Marathons; die dicken Übergewichtigen fehlten. Man war hier also unter sich. Das war auch gut so, denn der Lauf, in dem Jahr über 73,2 km, ist wahrlich nicht für Mutproben übergewichtiger Läufer geeignet.
Pünktlich um 06.00 Uhr fiel der Startschuss und wir machten uns mit ca. 1000 Gleichgesinnten auf den Weg ins 73,2 km entfernte Ziel.
Ich weiß noch, ich war müde, meine beiden Freunde liefen ambitioniert an und ich trottete so hinterher.
Zunächst einmal 25 km bergauf. Auch wenn ich aus Ostwestfalen komme, hatte ich doch eine Menge Respekt vor dieser Strecke. Andererseits war mir klar, dass ich schon vor Christian und Achim im Ziel sein wollte. Wie ich das schaffen konnte, war mir nicht klar; aber meine Instinkte sind nicht schlecht. Bei km 10 schloss ich zu den beiden auf und wir quatschten; Achim weiß immer eine Geschichte zu erzählen, denn der Rennsteig ist seine zweite Heimat. Und ich als Beamter habe auch gelernt zuzuhören.
Doch dann kurz vor dem großen Inselsberg ( km 25) kam es mir in den Kopf oder Bauch. Wenn du die beiden abhängen willst, dann musst du sie jetzt testen. Ich zog das Tempo an. Sie reagierten nicht, wohl weil Achim zu Christian sagte: lass den Heiko sich mal austoben, auf dem Weg nach Schmiedefeld sieht man sich mind. 2 oder 3 oder noch öfters. Auch wenn ich es nicht wusste, was er gesagt hatte, so wollte ich sie erst wieder im Ziel hinter mir sehen. Ich behielt mein Tempo bei und weg war ich.
Nach dem großen Inselsberg über die Grenzwiese bis zum Grenzadler in Oberhof lief es bei mir richtig klasse. Die Wege, die Strecke und die Aussichten waren sehr sehr schön. Verpflegung vom Allerfeinsten!
Doch dann nach dem Grenzadler; ich war kurz hinter der 2 besten Frau, ging ich plötzlich und unerwartet in die Knie, ich konnte nicht mehr. Hatte ich mich überschätzt? Das konnte und durfte nicht sein. So schleppte ich mich also bis zur nächsten Verpflegungsstelle. Die Krämpfe in den Beinen, die mich am Berg zum Gehen zwangen, waren danach wieder zu ertragen; es wurde flacher.
Es ging mir durch den Kopf: nur nicht noch überholt werden von den beiden. Also weiter. Die nächste Frau überholte mich. Immer wieder schaute ich mich nach Achim und Christian um, doch niemand war zu sehen. Wann gibt es das von Achim (an einer Verpflegungsstelle) genüsslich dargestellte Schwarzbier? Scheinbar bin ich dran vorbei gelaufen. Ich Idiot, wie konnte das passieren?
Nur noch 2 km bis zum Ziel und immer noch kein Lauffreund hinter mir.
Geschafft, das Ziel in Schmiedefeld in 6:29h erreicht. ( ca. 60ter Gesamt) Gut 10 Minuten später kamen Christian und dann auch Achim ins Ziel. Wie sagte Achim zu meinem "Sieg" , es war wahrscheinlich das Glück eines Rennsteigeinsteigers. Ich glaube heutzutage, er hatte Recht.
Der Supermarathon war ein toller Wettkampf.
Zur Belohnung gönnte ich mir erst einmal das verpasste Schwarzbier und eine Wurst. Und was für uns auch selbstverständlich ist ; am gleichen Tag, wenn es irgendwie geht, wieder nach Hause. Möchte jemand mehr über den Rennsteiglauf wissen, so ist Achim Stober die erste Adresse!!!