Weltmeisterschaft Ironman Hawaii 2006

Auf Hawaii fand 1978 der erste Ironman der Triathlongeschichte statt.
Hier wollte man die Frage beantworten, welcher Ausdauersportler der Beste ist.

Aus drei traditionellen Veranstaltungen entstand der Ironman:
3,8 km Schwimmen -180 km Rad – 42,195 km Laufen.

Im Jahre 1978 war ich Leichathlet durch und durch. In diesem Jahr
gelang mir mit der Crossmannschaft der LG Lage Detmold die
Deutsche Vizemeisterschaft über die Mittelstrecke in Aschaffenburg.

In den 80er Jahren habe ich aus Spaß ein einziges Mal an einem Triathlon in Schieder
teilgenommen.

Dann Ende 2004 gründete mein Freund Dr. Dietmar Müller mit mir und ein paar anderen,
die Triathlonabteilung des RC Endspurt Herford.
Nachdem ich bei meinem 3ten Triathlonwettkampf, es war ein Ironman in Zürich,
die Quali für Hawaii um 30 Sek. verpasst hatte, sagte ich mir, wenn du gesund
bleibst, fliegst du nächstes Jahr nach Hawaii zur Weltmeisterschaft.

Gedacht getan; ein Jahr später wurde ich in Frankfurt 3ter in der AK 45 und durfte somit
nach Hawaii. Wenn ich dies jemanden zu verdanken habe, dann meinem Freund Dietmar
Müller, der selber die Quali aufgrund eines Reifenschadens knapp verpasste.

Nach Frankfurt versuchte ich mich noch einmal zu verbessern, wusste aber nicht, dass
es wohl kaum möglich war nach 1,5 Jahren Triathlon, sich noch weiter anzupassen.

Mit Flugangst in den Knochen, ging es zusammen mit meiner Frau Antje Katharina
und meinem Kumpel Dieter Bredemeyer von Frankfurt los in Rtg. Hawaii.
Als wir ankamen, hatte ich 48 Stunden nicht geschlafen.
Ich, als überzeugter Ostwestfale, war begeistert von dem Flair der Veranstaltung
und unserer tollen Wohnung direkt am Meer.

Ein Erdbeben erlebte ich auf dem Weg zum Radtraining in einem Schulbus.
Meine Frau wäre am liebsten nach Hause geflogen.

Schon in den Tagen ( 10 ) zuvor bemerkte ich, dass irgendetwas mit meinem Körper
passierte. Konnte ich in Herford einen 5 Minuten Schnitt mit einem Puls von
110 Schlägen laufen, so hatte ich auf Hawaii einen 130er Puls.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst, was Luftfeuchtigkeit ausmachte.

Am 21.10.2006 ging ich morgens 15 Minuten nach den Profis ins Wasser.
Die ganzen Tage vorher hatte ich Schiss im Wasser, doch Gebhard, mein
Triathlonkumpel, nahm mir die Angst beim Training.
Beim Start war mir alles egal, ich wollte mich in Gebhards Schwimmschatten legen
und dann irgendwie ankommen. Doch nach 30 Metern hatte ich Wasser in der
Brille ( warum habe ich mir eigentlich keine Neue vorher gekauft ), verlor Gebhard
und musste das Wasser entfernen. Egal, weiter durch die Wellen und nach 1:09 aus
Wasser. Dann auf das Rad. Ich merkte aber von Anfang an, dass etwas nicht stimmte.
Ich kam einfach nicht mit der Witterung zurecht. Am Anfang noch von den anfeuernden
Zuschauern und der Gegend rund um den Alii Drive abgelenkt, merkte ich je mehr ich
Rtg. 2ten Wendepunkt in Hawi  fuhr, wie wenig mein Körper noch leisten konnte.

Schon jetzt war mir klar, nur noch finishen zählt und das bei Tageslicht.
Bei km 140 regnete es auf einmal und mein Puls ging um 10 Schläge runter.
Klasse, dachte ich. Doch dann 3 km später war wieder alles vorbei- nicht nur der Regen -
Ich fing an zu leiden. Am Ende der Radstrecke ging es mir so schlecht, dass
ich hätte brechen können.
Die letzten Kilometer beim 78 km Hochgebirgslauf in Davos waren nicht so
schlimm.
Im Wechselzelt ruhte ich mich kurz aus; dies war und
ist mir eigentlich völlig fremd. Ich weiß noch, dass ich das Eincremen gegen Sonnenbrand
von den Helferinnen, nur habe machen lassen, weil ich dadurch ein bisschen länger Ruhe hatte.

Weiter ging es auf die Marathonstrecke, in dem Wissen, dass meine Freunde -Sigrid Heggemann und Andreas Fleer, die nach Hawaii geflogen waren, um u.a. mich zu sehen, dort
standen, um mich anzufeuern. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich in meinem Leben
noch nie einen Marathon über 4 Stunden gelaufen. Selbst ohne Training ( 2 Jahre )
lief ich die Marathons doch zumindest unter 3:50h.
Hier war alles anders. Doch eins war mein Ziel, deine Freunde dürfen dich nicht
leiden sehen, sonst machen sie sich zu große Sorgen und Finishen ist alles.
Mein Motto: du bist nicht um die halbe Welt geflogen, um auszusteigen.
Endlich lief ich an meiner Frau vorbei; doch sie sah in meinem Gesicht, dass etwas
nicht stimmt.
Weiter ging es und endlich an der ersten steilen Steigung konnte ich gehen.
Der amtierende Europameister meiner AK lief nun an mir vorbei und sagte:" Komm das beenden wir zusammen". Ich versuchte es. Doch mir wurde schwindelig, ich dachte,
ich kippe um. Doch ich wollte weiter, ich wollte ins Ziel. Nur dieser Gedanke trieb
mich voran. Irgendwann erholte ich mich dann und konnte immer wieder ein Stück laufen.
Letztendlich kam ich nach 10:51, also kurz vor Sonnenuntergang ins Ziel.
Ich muss sagen, ich war stolz, nicht aufgegeben zu haben; auch wenn das Ergebnis schlecht
war, hat sich der Wettkampf gelohnt. Endlich über 4 Stunden im Marathon -dies ist ein Scherz –

Ich habe viel gelernt und weiß, das manche Athleten für manche Klima nicht
geeignet sind, zu denen gehöre wohl auch ich.
Wenn mir die Frage gestellt wird, ob ich auf Hawaii noch einmal starten will,
so kann ich sie nicht beantworten. Nur eins ist mir klar, ich möchte nicht noch
einmal so leiden.